Interview mit KTSV Damentrainer Philipp Reinertz und Vereinspräsident Stefan Vaessen

Beide standen uns Rede und Antwort zu verschiedenen Fragen, die die aktuelle Meisterschaft, die erreichten Ziele und die anstehenden Aufgaben betreffen. Lesen sie das komplette Interview hier unten

Stefan Vaessen (l.) und Philipp Reinertz (r.) im Interview
  • Wie sieht der bisherige Verlauf in der 2. Division der Damen aus? Was wurde erreicht und wie sind die Erwartungen bis Ende der Saison?

    P.R.: Wir übertreffen sicherlich die Erwartungen. Als Aufsteiger ist es keine Selbstverständlichkeit direkt zur Spitzengruppe in der neuen Spielklasse zu gehören. Die Mannschaft leistet Woche für Woche Großartiges. Wir haben den bitteren Abstieg im Mai 2017 als Sprungbrett genutzt. Die Entwicklung ist aber noch nicht abgeschlossen. Ich möchte in der Endabrechnung mindestens Tabellenvierter werden. Schöner wäre natürlich der zweite oder dritte Platz, aber dafür müssen wir aus den schwierigen Spielen gegen Brüssel, Meeuwen, Merksem und Montegnée mindestens fünf vielleicht aber sogar sechs Punkte holen. Mal sehen, was am Ende einer anstrengenden Saison noch möglich ist…
    Unser Erfolg resultiert aus einer überragenden Trainingsarbeit der Damen. Seit Ende Juli stimmen Einsatz, Intensität und Trainingshäufigkeit. Sportlichen Erfolg muss man sich hart erarbeiten. Diese Tatsache hat ein Großteil der Damen verinnerlicht. Die Mischung aus Talent und Arbeitswillen ist das Geheimnis unseres Erfolgs.

    S.V.: Der bisherige Verlauf ist außerordentlich gut, wir haben dies erhofft, aber nicht erwartet. Wir wussten das die Mannschaft über ein Riesenpotential verfügt. Dies konnte man bereits in der Vorsaison in diversen Spielen sehen. Die Mannschaft hat sich zudem weiterentwickelt. Was den Rest der Saison betrifft, lassen wir uns mal überraschen. Die Mannschaft ist zu allem fähig, aber wir müssen auch sehen, was die anderen Mannschaften machen. „Die Mannschaft muss nicht, darf aber alles…“

  • Man konnte bereits mit dir die Zusammenarbeit im Damenbereich vorzeitig verlängern. Welches waren die Beweggründe diese weiterzuführen?

    P.R.: Die Entwicklung der Damen war in den vergangenen 18 Monaten rasant. Ich sehe aber noch viele Entwicklungspotenziale bei meinen Spielerinnen. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass wir gemeinsam noch besser werden können.

    Wichtig war mir zudem, dass möglichst viele Spielerinnen der ersten Damenmannschaft unserem Projekt treu bleiben. Stand heute haben 12 der 14 Spielerinnen vorzeitig für die kommende Saison zugesagt. Einzig Lauranne Beckers und Elisabeth Müller haben (noch) nicht zugesagt. Das bildet eine solide Basis für weitere Erfolge.

    Außerdem habe ich gemerkt, dass viele fleißige Hände im Hintergrund helfen, den Kader zur neuen Saison nochmal zu verstärken. Unser Ziel zur kommenden Saison soll der Aufstieg sein. So werden wir dann auch den Kader aufstellen.

  • Was wird sich auf sportlicher Ebene in der nächsten Saison ändern, wenn denn schon etwas konkret zu erwähnen ist?

    P.R.: Wir werden uns insgesamt im Damenbereich noch breiter aufstellen. Wir müssen unsere Variabilität erhöhen, wenn wir besser werden wollen. Zudem möchte ich mehr mit statistischem Zahlenmaterial und Video arbeiten. Wenn die Spielerinnen diese Hilfestellungen annehmen, können wir mit diesen Arbeitsmitteln ein neues Level erreichen. Außerdem werde ich unser Tempospiel nochmal forcieren. Dafür müssen alle Spielerinnen im Sommer die athletischen Voraussetzungen schaffen.

    Den Versuch der zweiten Mannschaft bewerten wir zudem sehr positiv. Dieses Team gilt es nun zu stabilisieren. Unsere Aufgabe ist es, sinnvolle Synergien zwischen der ersten Mannschaft, der zweiten Mannschaft und der weiblichen Jugend auszubauen beziehungsweise zu schaffen.

  • Was macht für dich der sportliche Erfolg der Damen aus? Woran liegt es?

    S.V.: Erstmal ist es für mich wichtig, ambitionierte aber auch realistische Ziele zu haben und die sollten mittelfristig (2-3 Jahre) erreichbar sein. Dafür werden die Weichen gestellt, sprich der „richtige“ Trainer soll mit den Spielern, die wir i.d.R. selber ausbilden, versuchen, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Hierbei setzen wir auf Kontinuität und wir versuchen, da wo wir noch optimieren können/müssen, Änderungen herbeizuführen, um dem Ziel näher zu kommen.

    Was die aktuelle Mannschaft handballerisch auszeichnet, ist die gute Mischung zwischen Erfahrung und junger Dynamik. Zusätzlich spürt man regelrecht die gute Stimmung im Team. Wir sehen, dass die Mannschaft auch neben dem Handball einiges miteinander unternimmt und eine gute Atmosphäre mit einem guten Teamgeist ist mit ein Erfolgsgarant für den sportlichen Erfolg. Zudem stimmt die Chemie zwischen Trainer und Spieler, was ebenfalls sehr wichtig ist.

  • Du hast dich zu 100% der KTSV Eupen für die kommende Saison verschrieben, welche Aufgaben erwarten dich, wirst du noch weitere Aktionsfelder im Verein haben? Du hast ja bereits dieses Jahr die Leitung der Poussins 1 gehabt, wird es weitere Jugendaktivitäten geben? Was planst du?

    P.R.: Erst mal ist klar, dass ich die Damen1 und die Poussins über das Saisonende hinaus weitermachen werde. Beides bereitet mir großen Spaß. Zudem habe ich den Entschluss gefasst, in der kommenden Saison anders als in den vergangenen Jahren nicht mehr für zwei Vereine aktiv zu sein.

    Derzeit bin ich neben meinen Aufgaben in Eupen auch noch als Trainer bei der zweiten Herrenmannschaft des BTB Aachen aktiv. Dort kämpfen wir in der Verbandsliga um den Aufstieg in die Oberliga. Als Aufsteiger leistet auch dieses Team Woche für Woche Großartiges. Das Ziel Aufstieg werde ich dort bis zum Saisonende mit der selben Energie verfolgen, die ich auch in die Entwicklung der Eupener Mannschaften investiere.

    Was ich in der Zukunft sonst noch machen werde, steht noch nicht fest. Grundsätzlich verschreibe ich mich aber nur Projekten, die mir reizvoll und ambitioniert erscheinen. Ich liebäugle auch mit dem Erwerb der A-Lizenz. Ob es dann schon in der kommenden Saison dazu kommen wird, kann ich aber auch noch nicht sagen. Vielleicht kaufe ich mir aber auch beim schwedischen Möbelhersteller einfach einen Schaukelstuhl und genieße in der kommenden Saison zwei freie Abende in meinem Schaukelstuhl. Aber das wäre fast schon zu verrückt für mich!

  • Die beiden Senioren Bereiche der KTSV Eupen hatten unterschiedliche Zielsetzungen, die Damen den sicheren Klassenerhalt und vorzugsweise einen Platz in der oberen Hälfte, die Herren hingegen einen der 4 Plätze, die zur Teilnahme an der Play-Off bedeuteten. Die Ziele konnten nicht unterschiedlicher umgesetzt werden. Was war los, woran hat es gelegen, dass die Resultate so ausgefallen sind?

    S.V.: Wie gesagt bei den Damen erhofft aber nicht erwartet, bei den Herren war ich oder bin ich zutiefst davon überzeugt, dass wir es unter den ersten vier Mannschaften hätten schaffen können.

    Es gibt zwei große Unterschiede zwischen den Herren und den Damen. Die Damen gewinnen die knappen Spiele und die Herren verlieren nahezu jedes knappe Spiel, jedes Spiel, wo ich der Meinung bin, dass wir das gewinnen hätten können, in manchen Fällen, müssen. Das ist ein Fakt, da braucht man sich nur die Statistiken anzuschauen. Ein weiterer Unterschied zwischen den Damen und den Herren ist der folgende: bei den Leistungsträgern der Damen weiß ich genau, was ich jede Woche bekomme, bei den Herren leider nicht, weder im Angriff noch in der Abwehr. Die einzige stabile Position in dieser Saison bei den Herren ist die Torwartposition.

    Eins ist sicher, beide Trainer machen einen hervorragenden Job und natürlich ist es einfacher, wenn es gut läuft, dann ist der Gegenwind nicht so rau, aber ganz ehrlich, wenn es mal nicht so gut läuft, zeigt sich das wahre Gesicht. Baze hat Charakter und stellt sich der Situation, läuft nicht davon und ich vertraue ihm, da ich weiß, was er macht, um uns erfolgreich in die Spur zu bringen. Es ist für mich äußerst wichtig, kühlen Kopf zu bewahren und die richtigen Entscheidungen gemeinsam mit dem Vorstand zu treffen. Wir handeln aus Überzeugung und wir sind zutiefst davon überzeugt, dass wir gemeinsam mit der Mannschaft und dem Trainer die Klasse halten. Paradox ist, dass wir zeitgleich auch die nächste Saison planen und hier haben wir „Großes“ vor (siehe Pressemitteilung), aber erstmal gilt die volle Konzentration dem Klassenerhalt.

  • Zurückkommend auf die Damenabteilung, wie sieht es mit dem Nachwuchs aus, wie stellt sich dort der Unterbau und das Fundament der 1. Damenmannschaft dar? Wo liegen hier die Schwerpunkte in der Nachwuchsarbeit und wie ist es um diesen bestellt?

    P.R.: Die KTSV Eupen hat gerade im weiblichen Bereich einige Talente in den verschiedenen Jugendmannschaften. Mit der zweiten Damenmannschaft haben wir zudem eine Struktur geschaffen, die es uns ermöglicht, die Spielerinnen sehr früh an den Damenbereich heranzuführen. Ich würde behaupten, dass die Möglichkeiten der Talententwicklung ab dem 15. Lebensjahr in der gesamten Region nirgends besser sind.

    Ein Blick auf die Entwicklung einiger junger Spielerinnen untermauert diese These ja auch: Gella und Lauranne sind als 18-jährige zur Damen-Nationalmannschaft eingeladen, Jodie gehört mit 18 Jahren zum festen Kader der U19-Nationalmannschaft und Luisa sehe ich mit 17 Jahren auf einem ähnlichen Niveau. Zudem haben sich auch Spielerinnen wie Eva oder Charlotte im Umfeld der zweiten Mannschaft hervorragend entwickelt. In der kommenden Saison stößt dann mit Pauline eine weitere Spielerin zum Kader der ersten Mannschaft. Und andere Spielerinnen stehen schon bereit, in Zukunft in diese Fußstapfen zu treten.

    Verbesserungswürdig ist zum einen die Gestaltung des Übergangsjahres zwischen Jugend und Senioren. Zum anderen müssen wir zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr im weiblichen Bereich besser ausbilden. Eine Mammutaufgabe, die nur realisierbar ist, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen.

    S.V.: Ich denke wir sind sehr gut aufgestellt für die Zukunft. Der Damenhandball gewinnt mehr und mehr an Popularität. Dies war vor 20 Jahren noch undenkbar, v.a. in Eupen. Wir werden unsere Früchte ernten und zeitgleich die Chance nutzen und in unsere Jugend investieren, so dass wir auf lange Sicht mit der Damenabteilung ein Äquivalent zu den Herren haben.

     

  • Wo seht ihr die KTSV Eupen in 2-5 Jahren?

    P.R.: Mit der Vereinsvision hart die KTSV Eupen einen guten Leitfaden, wo es in Zukunft hingehen soll. Der sportliche Bereich ist sicherlich am schwierigsten planbar. Der Vorstand hat im Bereich Finanzen und Kultur überragend gearbeitet. Im Personalbereich gibt es für die Jugend sicherlich noch einige Baustellen.

    Wenn alle Akteure mit der mit dem Einsatz und der Professionalität unseres Vorstandes an die kommenden Aufgaben herangehen, wird sich mittelfristig auch der sportliche Erfolg in allen Abteilungen einstellen.

    Spätestens 2022 sollten Damen und Herren in der ersten Division spielen und wir auf sportlicher Ebene so interessant sein, dass kein Spieler und keine Spielerin zur sportlichen Weiterentwicklung zu einem anderen belgischen Verein wechseln will.

    S.V.: Das kann man gut an unserer Vision erkennen. Wir wollen mit dem Seniorenbereich so schnell wie möglich in die 1. Liga, wenn nicht noch mehr. Wir brechen hier nichts übers Knie, aber wir machen hier eine klare Ansage, wohin wir wollen und darauf bereiten wir uns im ganzen Verein vor. Die ganze Struktur wird auf eine Erstliga ausgerichtet. Die professionelle Arbeit des Vorstands zahlt sich mehr und mehr aus. Wir verfügen im Vorstand über alle notwendigen Kompetenzen, um unsere Ziele zu erreichen. Die erforderliche Ressortunterteilung im Verein und das Übernehmen von Verantwortung in den Teilbereichen durch die jeweiligen Vorstandsmitglieder lässt den Verein wachsen und dies nachhaltig und gesund.

     

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