Von Tim Fatzaun
Phasenweise führte eine wache KTSV Eupen zum Auftakt ins Kalenderjahr in Bocholt mit drei Toren, doch am Ende setzte sich der haushohe Favorit durch: Das 37:27 lässt couragierte Weserstädter um Interimscoach Goran Vukcevic im ersten von drei Spielen der Englischen Woche auf den vorletzten Rang abrutschen.
Damit wartet die KTSV weiter seit dem 2. November (36:26 gegen Bevo) auf ihren fünften Saisonsieg, die Niederlage in Bocholt bedeutet die fünfte in Serie. Zudem hatten bereits am Samstagabend die Limburg Lions um Trainer Bruno Thevissen das Kellerduell gegen Sasja mit 34:29 gewonnen und Eupen in der Tabelle der Super Handball League überholt. Die Lions übrigens sind Bocholts kommender Gegner am Dienstagabend – kein Wunder also, dass Thevissen gegen Eupen mit Notizbuch bewaffnet auf der Tribüne saß.
Die Ostbelgier indes rutschten zum Jahresauftakt auf den vorletzten Platz ab, fünf Punkte vor Schlusslicht Sasja – wobei es wegen des regelrecht absurden Play-off-Systems im Frühling de facto egal ist, ob Eupen die klassische Meisterschaftsphase als Vorletzter oder Drittletzter beendet. Wichtig ist lediglich der Vorteil Sasja gegenüber, um in diesem Play-off-Duell das Heimrecht genießen zu dürfen.
Das Bocholter Karnevalsprinzengespann gab den Anwurf zu Goran Vukcevics Intermezzo als Interimscoach der KTSV – und Geoffrey Lahondas Rückkehr auf die Platte. Fast ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss feierte der Rechtsaußen am Sonntagnachmittag sein Comeback. Die ersten Eupener Tore fielen jedoch zunächst aus der Mitte oder über Damian Kedzioras linke Seite. Und das in konstanter Folge, sodass der Außenseiter nicht nur lange gut mithielt, sondern sich sogar eine Drei-Tore-Führung aufbaute. Damian Kedziora und Kim Schroeder trafen, Youri Denert parierte einen Siebenmeter, und Jérôme Majean erzielte frech durch Torhüter Clem Leroys Beine hindurch das 9:6 (15.).
Als die „sympathischen Gäste aus Ostbelgien“ hatte Bocholt die KTSV angekündigt, als angenehme Besucher präsentierten sie sich in der Phase jedoch nicht. Eupen steckte nicht mehr im Winterschlaf, wirkte wacher als der Favorit. „Er hat es nicht verlernt“, reagierte der Hallensprecher auf die 10:9-Führung durch Damian Kedziora, der selbst in der Damburg zahlreiche nationale Titel gefeiert hatte.
Auf den letzten Metern Richtung Pause jedoch schalteten die Hausherren zwei Gänge nach oben und zogen bis auf 18:13 vorbei. Zudem ließ David Denert an der linken Abwehrseite gegen Thomas Driesen den Fuß stehen und flog mit Rot vom Platz. Driesen wurde verletzt in die Kabine getragen. Rund um diesen Vorsprung pendelte sich die Partie im zweiten Durchgang erst einmal ein. Gegen Bocholts Gedankenschnelligkeit und temporeiche erste Welle war in der Damburg, in der am Vorabend noch die Gibson Brothers vor 2.000 Mann für Disco-Stimmung gesorgt hatten, kein Kraut (mehr) gewachsen.
Was jedoch nicht bedeuten soll, dass die Limburger mit Eupen Katz und Maus gespielt hätten. Vukcevics Mannen gaben sich nicht auf, allzu oft verhinderte Torhüter Clem Leroy aber eine Aufholjagd im Keim (22:26, 48.). In den Schlussminuten ließen Nationalspieler Yannick Glorieux und seine Kollegen das Ergebnis doch noch in die Höhe schnellen, bei Eupen ging der Ofen aus.
Viel Zeit zur Erholung bleibt der KTSV nicht, denn die Englische Woche direkt nach der Winterpause hat es in sich: Am Mittwoch (20 Uhr) ist Pokalsieger Visé am Stockbergerweg zu Gast, am Samstag (19 Uhr) steht die lange Auswärtsfahrt ins niederländische Volendam, nordöstlich von Amsterdam, an.